Nachfolge-Prüfliste (Beta-Version)

Instrument
zur Betriebssicherheit, Produktsicherheit und Umweltverträglichkeit
bei der Nachfolge von kleinen und mittelständischen Unternehmen

(Safety & Environmental Due Diligence)


Inhaltsverzeichnis:

Einleitung

Das Thema Unternehmensnachfolge ist vor dem Hintergrund zunehmender Insolvenzen sowie dem Rücktritt der Gründergeneration der 1950er und 60er Jahre in den letzten Jahren verstärkt in den Blickpunkt der Öffentlichkeit geraten.

Potenzielle Übergeber(innen) und Übernehmer(innen) stehen vor der Herausforderung zu klären, wie die Unternehmensnachfolge erfolgreich zu meistern ist.

Um eine solide und bestandssichere Unternehmensnachfolge möglichst kostenoptimiert realisieren zu können, ist es erforderlich, dass Übergeber(innen) und Übernehmer(innen) das Unternehmen nicht nur hinsichtlich wirtschaftlicher, rechtlicher und steuerlicher Verhältnisse, sondern auch im Hinblick auf nachfolgerelevante Aspekte der Betriebs- und Produktsicherheit sowie der Umweltverträglichkeit prüfen.

Die Nichtbeachtung dieser Aspekte kann eine Reihe ungeplanter kostenintensiver Folgeinvestitionen und -schäden nach sich ziehen. Trotz dieses Sachverhalts existiert bislang kein integriertes Güteverständnis, das Sicherheits-, Gesundheits- und Umweltschutzaspekte in den Nachfolgeprozess mit einschließt.

Generell fehlt es in der Nachfolgeberatung an Wissen zur Bewertung der bestehenden, betrieblichen Arbeits- und Umweltschutzorganisation und Instrumente zur Unternehmensnachfolge lassen Aspekte des Arbeits- und Umweltschutzes gänzlich unberücksichtigt. Darüber hinaus richten sich die vorliegenden Handlungshilfen vornehmlich an den/die Nachfolger(in) und nur in sehr eingeschränktem Maße an den Übergeber/ die Übergeberin.

Das vorliegende Instrument zur Betriebssicherheit, Produktsicherheit und Umweltverträglichkeit bei der Nachfolge von kleinen und mittelständischen Unternehmen zielt darauf ab, diese Lücke zu schließen.

Die Prüfliste soll es Übergebern(innen), Übernehmern(innen) und Beratern(innen) erleichtern, wichtige Aspekte des Arbeits- und Umweltschutzes im Rahmen der Unternehmensnachfolge zu prüfen und zu bewerten. Die ermittelten Ergebnisse sowie die sich hieraus abgeleitenden Maßnahmen können sinnvoll in einem Maßnahmeplan aufbereitet werden, um diesen bei Kaufpreisverhandlungen und zur Erstellung eines Businessplans zu verwenden.

Der Leitfaden zur Benutzung der Prüfliste zeigt den Nutzen der Prüfung für Übernehmer(innen), Übergeber(innen) und Berater(innen) auf und macht den/die Anwender(in) mit den Voraussetzungen zur Anwendung der Prüfliste, mit der Struktur der Prüfliste sowie mit ihrer Bearbeitung vertraut. Darüber hinaus veranschaulicht der Leitfaden, wie die Ermittlung der Ergebnisse sowie die Erstellung eines hieraus abgeleiteten Maßnahmeplans konkret zu erfolgen hat.

Anonymisierte Beispiele aus der Praxis demonstrieren die Nachfolge- bzw. Prüfsituation verschiedener Unternehmen aus dem Dienstleistungs- und Produktionsbereich, in der die Betriebs- und Produktsicherheit sowie die Umweltverträglichkeit mittels Prüfliste bewertet wurde. Sie verdeutlichen die breite Einsetzbarkeit der Prüfliste und zeigen den Umgang mit möglichen Ergebnissen und den hieraus abgeleiteten Maßnahmen exemplarisch auf.

Darüber hinaus gibt das vorliegende Instrument eine Empfehlung, wie die durch den Einsatz der Prüfliste gewonnenen Ergebnisse sinnvoll in den Businessplan integriert werden können. Es leistet somit einen Beitrag, Übernehmern(innen) aufzuzeigen, wie sie Kreditgebern(innen) die erfolgte Auseinandersetzung mit den Themen Betriebssicherheit, Produktsicherheit und Umweltverträglichkeit demonstrieren können, um somit zur Transparenz des Unternehmens beizutragen.

Anwendungstest

Dieser Anwendungstest hilft Ihnen, zu klären, wie wichtig es für Sie ist, die Prüfliste im Rahmen der Unternehmensnachfolge einzusetzen.

Anwendungstest zur Unternehmensnachfolge Trifft zu Trifft nicht zu Nicht relevant
Seit der Gewerbeanmeldung haben sich keine betrieblichen Änderungen (Umbau der Arbeitsstätten, Art des Gewerbes usw.) ergeben.
Bislang sind keine Personen- oder Sachschäden durch Produkte oder Dienstleistungen aufgetreten.
Die Anlagen und Maschinen sind auf dem Stand der Technik und werden bestimmungsgemäß verwendet.
Persönliche Schutzausrüstungen für die Beschäftigten sind vorhanden und werden verwendet.
Mit Arbeits- und Gefahrstoffen wird sachgemäß umgegangen.
Das Betriebsgelände stellt keine Altlastenverdachtsfläche dar.
Die Gewerbefläche wird nach den baurechtlichen Genehmigungen bestimmungsgemäß genutzt.
Gefährliche und kennzeichnungspflichtige Abfallstoffe, die im Betrieb anfallen, werden korrekt entsorgt.

Sollten sie einmal oder öfter mit „trifft nicht zu“ geantwortet haben, dann empfehlen wir Ihnen, die Prüfliste für Betriebssicherheit, Produktsicherheit und Umweltverträglichkeit einzusetzen.

Ziel der Prüfliste

Die im Anwendungstest benannten Sachverhalte werden bei der Unternehmensnachfolge bislang kaum oder gar nicht thematisiert, obwohl sie enorme Auswirkungen auf die Produktivität und Wirtschaftlichkeit, auf das Haftungs- und Risikomanagement und auf die Bonität des Unternehmens haben können.

Durch den Einsatz der Prüfliste kann die Betriebs- und Produktsicherheit sowie die Umweltverträglichkeit innerhalb der Unternehmensbewertung geprüft und bewertet werden. Im Anschluss an die Prüfung werden die Ergebnisse dokumentiert und ein Maßnahmeplan erstellt, der entweder von Übergebern/Übergeberinnen und/oder Übernehmern/Übernehme-rinnen direkt umgesetzt oder als Bestandteil des Kaufvertrages herangezogen werden kann. Der Schwerpunkt der Prüfliste liegt in der Beurteilung von kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU).

Nutzen der Prüfliste für den Übernehmer/ die Übernehmerin

Der konkrete Nutzen der Prüfliste für den Übernehmer/die Übernehmerin besteht darin,
Der Einsatz der Prüfliste empfiehlt sich für Sie als Übernehmer/ Übernehmerin zum Zeitpunkt der untersuchenden Betriebsbegehung.

Beispiel
Bei einer Betriebsbegehung fiel auf, dass die vorhandenen Maschinen nicht auf dem aktuellen Stand der Technik sind und nicht regelmäßig gewartet und geprüft worden sind. Dadurch können keine reibungslosen Produktionsabläufe gewährleistet werden. Übernehmer und Übernehmerinnen erhalten durch die Prüfliste die Möglichkeit, Mängel oder Versäumnisse in bezug auf die vorhandenen Arbeitsmittel sowie vielen anderen Kriterien frühzeitig zu entdecken und bei den Kaufverhandlungen zu berücksichtigen.

Nutzen der Prüfliste für den Übergeber/ die Übergeberin

Der konkrete Nutzen der Prüfliste für den Übergeber/ die Übergeberin besteht darin,
Der Einsatz der Prüfliste empfiehlt sich für Sie als Übergeber/Übergeberin

Beispiel
Durch den Nachweis der Verwendung umweltfreundlicher Arbeitsstoffe sowie die Bestätigung der Sicherheit von Produkten und Dienstleistungen durch Prüfsiegel und Zertifikate (GS-Zeichen; Öko-Labels) lassen sich am Markt Wettbewerbsvorteile gegenüber Konkurrenten erzielen. Übergeber/Übergeberinnen erhalten durch die Prüfliste die Möglichkeit, solche und ähnliche verkaufswirksame Potenziale frühzeitig zu erschließen und diese bei der Darstellung und Bewerbung des Unternehmens zu berücksichtigen. Dadurch erleichtert sich die Suche geeigneter Nachfolgekandidaten/Nachfolgekandidatinnen sowie die Erzielung eines angemessenen Verkaufspreises.

Nutzen der Prüfliste für den Berater/die Beraterin

Der konkrete Nutzen der Prüfliste für den Berater/die Beraterin besteht darin,
Der Einsatz der Prüfliste empfiehlt sich für Sie als Berater/Beraterin im Verlauf der Unternehmensberatung.

Beispiel
Vor der Übernahme eines Gewerbebetriebes ist darauf zu achten, ob sich Veränderungen in der Bestandszeit des Betriebes ergeben haben. Diese können z. B. die Art des ausgeführten Gewerbes oder bauliche Maßnahmen an dem Gewerbeobjekt betreffen.

Eine Prüfung der Gültigkeit ist erforderlich, da bei der Neuanmeldung des Gewerbes auf die Einhaltung von Anforderungen des Arbeits- und Umweltschutzes geachtet wird.

Bei Nichteinhaltung dieser Anforderungen können erhebliche Kosten zur Erfüllung der möglichen Auflagen des Gewerbeaufsichtsamtes oder des Bauamtes o.a. Behörden entstehen. In schweren Fällen kann dies sogar die Betriebsschließung zur Folge haben.

Berater/Beraterinnen erhalten durch die Prüfliste die Möglichkeit, potenzielle Übernehmer/Übernehmerinnen rechtzeitig auf diese und ähnliche Risiken aufmerksam zu machen.

Voraussetzungen zur Anwendung der Prüfliste

Der Anwender der Prüfliste sollte sich in der Branche des zur Übernahme anstehenden Unternehmens auskennen und die fachliche Kompetenz besitzen, die Prüffragen beantworten zu können.

Sollten Zweifel oder Probleme auftreten, so wird empfohlen, sich die notwendige Fachkompetenz anzueignen oder einen Experten/eine Expertin zu Rate zu ziehen.

Auch ist es für den Übernehmer/die Übernehmerin sinnvoll, vor der Anwendung der Prüfliste eine erste Besichtigung/Begehung des Unternehmens vorzunehmen. Der erste Eindruck sagt oft schon viel aus. Achten Sie auf Sauberkeit und Ordnung sowie auf das Verhalten der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen.

Um einen möglichst realistischen Eindruck vom Zustand des Unternehmens zu bekommen, ist es empfehlenswert, die erste Begehung während des Geschäftsbetriebes und ohne Eile durchzuführen. Die Begehung sollte aber in jedem Fall mit dem Übergeber/der Übergeberin abgesprochen werden.

Struktur der Prüfliste

Die Prüfliste besteht aus den Modulen Betriebs- und Produktsicherheit sowie Umweltverträglichkeit, die mit jeweils 6 Kriterien beschrieben werden.

Jedes Kriterium wird durch einzelne Prüffragen erfasst und bewertet. Die Prüffragen sind unterschiedlich gewichtet und erfassen erschöpfend das jeweilige Kriterium. Die Prüfliste ist wissenschaftlich fundiert und in der Praxis erprobt.

{3}Betriebs- und Produktsicherheit
1. Unternehmensorganisation 3 Prüffragen
2. Produkt- und Servicesicherheit 4 Prüffragen
3. Arbeitsmittel 3 Prüffragen
4. Arbeitsstätte 4 Prüffragen
5. Arbeitstätigkeiten 3 Prüffragen
6. Arbeits- und Gefahrstoffe 3 Prüffragen
{3}Umweltverträglichkeit
7. Altlasten 4 Prüffragen
8. Genehmigungen 5 Prüffragen
9. Emissionen 4 Prüffragen
10. Entsorgung 5 Prüffragen
11. Lagerung 4 Prüffragen
12. Umweltverträglichkeit 6 Prüffragen

Die beantworteten Prüffragen werden in einer Ergebnisübersicht zusammengeführt. Die ermittelten Mängel und Maßnahmen werden als Maßnahmeplan in der Ergebnisübersicht zusammengeführt.

Bearbeitung der Kriterien und der Prüffragen

Sie arbeiten mit der Prüfliste, indem Sie die einzelnen Bewertungskriterien und die dazugehörigen Prüffragen nacheinander durchgehen:
  1. Über das Kriterium informieren
    Jedes Bewertungskriterium wird zu Beginn durch einen kurzen Text beschrieben. Machen Sie sich inhaltlich mit dem jeweiligen Kriterium vertraut, um die anschließenden Prüffragen bearbeiten zu können.

  2. Prüffragen beantworten
    Beantworten Sie die Fragen nacheinander, indem Sie diese mit „eher ja“ oder „eher nein“ kennzeichnen. Falls eine Prüffrage für das Unternehmen nicht relevant sein sollte, so kennzeichnen Sie dies in dem Feld „Frage nicht relevant“.
    Bitte geben Sie die "Art der Nachweisermittlung" (Dokumentensichtung; Betriebsbegehung; Mitarbeiterbefragung) in dem hierfür vorgesehenen Feld an.

  3. „Eingesehene Nachweise“ und „Fehlende Nachweise“ benennen
    Sie sollten nun unter „Eingesehene Nachweise“ angeben, welche Nachweise Sie zur Beantwortung der jeweiligen Frage eingesehen haben. Unter „Fehlende Nachweise“ sollten sie notieren, welche Nachweise nicht vorhanden bzw. noch zu beschaffen sind.

  4. Umsetzung der durchzuführenden Maßnahmen und Ermittlung des erforderlichen Expertenbedarfs
    Überlegen Sie zusammen mit ihrem Geschäftspartner, wer für die Umsetzung welcher Maßnahmen am besten geeignet ist und tragen Sie das Ergebnis Ihrer Entscheidung in die Spalte „Umsetzung durch Übergeber (ÜG)/ Übernehmer (ÜN)“ ein. Wenn Sie nicht wissen, wie die Maßnahme umzusetzen ist oder sich über die Art und Weise, wie dies zu geschehen hat, uneinig sind, so sollten Sie einen Experten zu Rate ziehen. Kennzeichnen Sie dies in der Spalte „Expertenbedarf (E)“.

  5. Schätzung des Aufwands
    Schätzen Sie nun den zeitlichen und/ oder finanziellen Aufwand, der erforderlich ist, um die ermittelten Maßnahmen umzusetzen. Das Ergebnis ihrer Schätzung können Sie in der Spalte „Geschätzter Aufwand für Umsetzung (zeitl./ finanziell)“ eintragen.
Unter dem Stichwort „Orientierungshilfe“ finden Sie Anhaltspunkte dafür, welche Dokumente Sie einsehen bzw. welche Aspekte Sie in Augenschein nehmen sollten, um die vorliegende Prüffrage zu beantworten (z. B. Zustand der Arbeitsmittel; Genehmigungen; Bauzeichnungen etc.). Sollten Sie einen grundlegenden Informationsbedarf zum Themenbereich der einzelnen Prüffragen haben, so finden Sie unter dem Stichwort „Nützliche Werkzeuge/Informationen“ zu allen Prüffragen relevante Verweise auf hilfreiche Internetseiten anderer Anbieter.

Abkürzungsverzeichnis

AN Arbeitnehmer(in)
BA Betriebsarzt/Betriebsärztin
BG Berufsgenossenschaft
BM Baumuster
CE-Kennzeichnung Kennzeichen am Produkt, das erklärt, dass das Produkt allen geltenden europäischen Vorschriften entspricht und es den vorgeschriebenen Konformitätsbewertungsverfahren unterzogen wurde.
EG-Konformitätserklärung Erklärung zur Sicherheit bei der in Verkehr Bringung eines Produktes in die EU, wenn das Produkt unter eine europäische Richtlinie fällt
GS-Zeichen Zeichen für geprüfte Sicherheit
HACCP Hazard Analysis and Critical Control Points (Gefährdungsanalyse in der Lebensmittelindustrie)
KVP-Team Team zur Ermittlung von Verbesserungsmaßnahmen (KVP = Kontinuierlicher Verbesserungsprozess)
Öko-Labels Ökologische Standards oder Kennzeichnungen, die darlegen, dass Produkte bestimmte Umweltanforderungen erfüllen
QM-System Qualitätsmanagement-System
QS-System Qualitätssicherheits-System (veraltet zu QM-System)
SiFa Sicherheitsfachkraft
TAB Technischer Aufsichtsbeamter (oder auch Aufsichtspersonen der Berufsgenossenschaft
ÜG Übergeber(in)
ÜN Übernehmer(in)
VBG Verwaltungsberufsgenossenschaft






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